Wie sichtbar ist deine Marke in ChatGPT und Microsoft Copilot? Welche Chancen bieten digitale Zwillinge für die Marktforschung? Und wie gelingt vertrauenswürdige Kommunikation im KI-Zeitalter? Diese und weitere Zukunftsfragen standen im Mittelpunkt des 4. PR Tech Day von »OBSERVER« und den CommClubs Bayern.
Am 6. Oktober 2026 diskutierten Expert:innen von Microsoft, Edelman, FINN Partners, LOBECO und weiteren Unternehmen im Presseclub Nürnberg über die neuesten KI-Trends und ihre konkreten Auswirkungen auf PR, Marketing und Unternehmenskommunikation.
Der 4. PR Tech Day brachte Kommunikationsprofis, Marketingverantwortliche und Branchenexpert:innen sowohl vor Ort als auch online zusammen. Nach der Begrüßung durch Florian Freiherr von Hornstein, Präsident der CommClubs Bayern, boten neun Fachvorträge und eine abschließende Paneldiskussion spannende Einblicke in die digitale Transformation der Kommunikationsbranche.
Die zentrale Botschaft des Nachmittags: Künstliche Intelligenz verändert nicht nur, wie wir kommunizieren, sondern auch, wie Informationen gefunden, Marken wahrgenommen und Vertrauen aufgebaut werden. Für Unternehmen und PR-Agenturen entstehen dadurch neue Herausforderungen, aber auch enorme Chancen.
Von SEO zu GEO: Warum KI-Sichtbarkeit für Unternehmen immer wichtiger wird
Wer heute nach Produkten, Dienstleistungen oder Unternehmen sucht, nutzt längst nicht mehr ausschließlich klassische Suchmaschinen. Generative KI-Systeme wie ChatGPT und Microsoft Copilot entwickeln sich zunehmend zu wichtigen Informationsquellen.
Damit rückt ein neues Thema in den Fokus der strategischen Unternehmenskommunikation: Generative Engine Optimization (GEO).
Während Search Engine Optimization (SEO) darauf abzielt, Websites in klassischen Suchergebnissen möglichst gut zu positionieren, beschäftigt sich GEO mit der Sichtbarkeit von Marken, Unternehmen und Produkten in KI-generierten Antworten.
Anton Bühl, Geschäftsleiter Digital bei PER Connect, verdeutlichte anhand eines konkreten Unternehmensbeispiels, wie Large Language Models (LLMs) zu einem eigenständigen Kommunikationskanal werden.
Für Kommunikationsverantwortliche ergeben sich daraus entscheidende Fragen: Wird die eigene Marke in relevanten KI-Antworten überhaupt erwähnt? Welche Informationen geben KI-Systeme über das Unternehmen aus? Und wie lässt sich die digitale Präsenz gezielt verbessern?
Prompt Monitoring: Die neue Dimension der Medienbeobachtung
Wie Unternehmen ihre KI-Sichtbarkeit systematisch analysieren können, zeigte Stephan Ifkovits, Head of Communications & Marketing bei »OBSERVER«.
Sein Vortrag machte deutlich, dass modernes Brand Monitoring nicht mehr bei klassischen Medien, Online-Nachrichten und Social Media endet. Auch die Antworten generativer KI-Systeme werden für das Reputationsmanagement zunehmend relevant.
Mit Prompt Monitoring entsteht eine zusätzliche Disziplin der Medienbeobachtung. Dabei werden gezielte Fragen an KI-Systeme gestellt und die generierten Antworten regelmäßig analysiert. So lässt sich nachvollziehen, ob und in welchem Zusammenhang eine Marke erwähnt wird und wie sich ihre Darstellung im Zeitverlauf verändert.
Ifkovits gab praxisnahe Einblicke in relevante Prompt-Kategorien, geeignete Monitoring-Intervalle und Möglichkeiten zur Auswertung der Ergebnisse.
„Die Antworten von ChatGPT, Copilot und anderen KI-Systemen prägen zunehmend das Markenbild. Mit dem Prompt Monitoring schaffen wir die Grundlage, um diese neue Form der Sichtbarkeit zu beobachten und liefern so ein wichtiges Instrument für das eigene Reputationsmanagement.“
— Stephan Ifkovits, »OBSERVER«
Für PR- und Marketingteams bedeutet das: Wer seine Markenreputation umfassend verstehen möchte, sollte künftig auch berücksichtigen, welches Bild generative KI-Systeme vom eigenen Unternehmen vermitteln.
Vertrauen im KI-Zeitalter: Warum Glaubwürdigkeit wichtiger denn je ist
KI ermöglicht es Unternehmen, Inhalte schneller zu produzieren, Kommunikationsprozesse zu automatisieren und Zielgruppen effizienter anzusprechen. Doch mit den technologischen Möglichkeiten wächst auch die Bedeutung eines entscheidenden Erfolgsfaktors: Vertrauen.
Nils Giese, CEO von Edelman Germany, widmete sich der Frage, wie Unternehmen in einer zunehmend KI-geprägten Informationslandschaft glaubwürdig bleiben.
Seine zentrale Botschaft: Reichweite und Aufmerksamkeit allein reichen nicht aus, um langfristig erfolgreiche Kommunikation zu gestalten. Entscheidend sind vertrauensvolle Beziehungen zu den eigenen Zielgruppen.
Gerade in einer AI-first-Welt, in der Inhalte automatisiert erstellt und verbreitet werden können, gewinnen Authentizität, Transparenz und nachvollziehbare Informationen an Bedeutung.
KI in der PR: Effizienz steigern, Authentizität bewahren
Wie sich Künstliche Intelligenz produktiv in die Kommunikationsarbeit integrieren lässt, beleuchteten Gerrit Gericke, Managing Director Technology bei Edelman, und André Pechmann, Director Communications bei Microsoft.
Ob Pressemitteilungen, Reden, Gastbeiträge oder Social-Media-Posts: Generative KI kann PR-Teams bei zahlreichen Aufgaben unterstützen und zeitaufwendige Arbeitsschritte beschleunigen. Doch die Geschwindigkeit der Content-Produktion darf nicht zulasten der Qualität gehen.
Die Herausforderung besteht darin, KI als leistungsfähiges Werkzeug einzusetzen, ohne die menschliche Verantwortung für Inhalte, Botschaften und strategische Entscheidungen abzugeben.
Für Kommunikationsabteilungen bedeutet das, klare Qualitätsstandards zu definieren, KI-generierte Inhalte kritisch zu prüfen und Transparenz dort sicherzustellen, wo sie erforderlich ist.
Digitale Zwillinge: Neue Perspektiven für Markt- und Meinungsforschung
Während viele Unternehmen KI vor allem mit Textgenerierung, Bildbearbeitung oder Automatisierung verbinden, eröffnen sich auch in der Markt- und Meinungsforschung neue Anwendungsmöglichkeiten.
Florian Laszlo, CEO von »OBSERVER«, zeigte in seinem Vortrag, welches Potenzial digitale Zwillinge für die Analyse gesellschaftlicher Zielgruppen bieten.
Digitale Zwillinge sind virtuelle Modelle, die auf umfangreichen Datenbeständen basieren und bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen realer Systeme beziehungsweise Bevölkerungsgruppen simulieren können.
In der Industrie wird diese Technologie bereits seit Jahren eingesetzt. Nun entstehen auch für Marketing, Kommunikation und Sozialwissenschaften neue Perspektiven.
Wie können digitale Zwillinge die Marktforschung unterstützen?
Klassische Befragungen stehen zunehmend vor Herausforderungen: Die Teilnahmebereitschaft sinkt, die Erhebungskosten steigen und bestimmte Zielgruppen sind nur schwer erreichbar.
KI-gestützte Bevölkerungsmodelle könnten hier künftig ergänzende Analysemöglichkeiten schaffen. Durch die intelligente Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen lassen sich virtuelle Zielgruppen entwickeln, mit denen bestimmte Fragestellungen und Szenarien simuliert werden können.
Besonders für die B2B-Kommunikation, in der Unternehmen häufig sehr spezifische Zielgruppen ansprechen, eröffnet dieser Ansatz interessante Möglichkeiten.
Digitale Zwillinge ersetzen dabei nicht automatisch die klassische Marktforschung. Sie können jedoch zusätzliche Perspektiven liefern und datenbasierte Entscheidungen unterstützen, sofern die zugrunde liegenden Modelle ausreichend valide sind.
„Mit digitalen Zwillingen stehen wir vor einem spannenden Entwicklungsschritt in der Markt- und Meinungsforschung. KI ermöglicht uns, gesellschaftliche Zielgruppen auf Basis umfangreicher Datenbestände zu simulieren und damit neue Perspektiven für datenbasierte Entscheidungen zu eröffnen. Genau diese Innovationskraft wollten wir beim 4. PR Tech Day sichtbar machen, der einmal mehr bestätigt hat, dass sich die Kommunikationsbranche in einer Phase tiefgreifender Veränderung befindet. Diese Entwicklung wollen wir mit »OBSERVER« aktiv mitgestalten.“
— Florian Laszlo, »OBSERVER«
KI und Social Media: Zwischen Automatisierung und echter Markenidentität
Wie viel Künstliche Intelligenz verträgt erfolgreiche Social-Media-Kommunikation? Und welche Rolle spielt Social Media künftig im B2B-Marketing?
Diesen Fragen widmeten sich zwei weitere Programmpunkte des PR Tech Day.
Jacqueline Althaller, Geschäftsführerin von ALTHALLER Communication, präsentierte aktuelle Erkenntnisse aus der 16. Ausgabe der DACH-Langzeitstudie „Social Media in der B2B-Kommunikation“, die in Kooperation mit »OBSERVER« durchgeführt wird.
Die Untersuchung beschäftigt sich mit Entwicklungen, strategischen Erfolgsfaktoren und Veränderungen im Social-Media-Einsatz von B2B-Unternehmen im deutschsprachigen Raum.
Frederik Paschko, Director Consumer Goods & Sport bei LOBECO, beleuchtete anschließend das Spannungsfeld zwischen KI-gestützter Content-Produktion und authentischer Markenkommunikation.
Denn KI kann zwar dabei helfen, schneller mehr Inhalte zu erstellen. Eine höhere Veröffentlichungsfrequenz bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Reichweite, Engagement oder Markenbindung.
Erfolgreiche Social-Media-Kommunikation braucht weiterhin relevante Inhalte, eine klare Markenidentität und Geschichten, die Menschen tatsächlich erreichen.
Für Social-Media-Manager:innen ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Nicht die Menge KI-generierter Inhalte entscheidet über den Erfolg, sondern deren Qualität, Relevanz und Glaubwürdigkeit.
EU AI Act: Was KI-Regulierung für die Kommunikationsbranche bedeutet
Neben den technologischen Chancen beschäftigte sich der PR Tech Day auch mit den rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Jan Lohrengel, CEO von HASTINGS AUDIO NETWORK, beleuchtete die Kennzeichnungs- und Transparenzanforderungen für KI-generierte Audioinhalte.
Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen des europäischen AI Acts auf die Werbe- und Audiobranche sowie die Frage, welche Anforderungen Unternehmen bei der Produktion und Veröffentlichung KI-gestützter Inhalte beachten müssen.
Gerade für Kommunikationsverantwortliche, die mit synthetischen Stimmen, KI-generierten Audioformaten oder automatisierten Werbeinhalten arbeiten, gewinnt die rechtliche Einordnung an Bedeutung.
Dabei gilt: Nicht jeder KI-generierte Inhalt unterliegt denselben Kennzeichnungspflichten. Entscheidend sind unter anderem die konkrete Anwendung, die Art des Inhalts und die jeweils geltenden gesetzlichen Bestimmungen.
Für Unternehmen wird es deshalb zunehmend wichtig, technologische Innovation mit rechtlicher Sicherheit und transparenten Kommunikationsprozessen zu verbinden.
Wie KI und GEO die Rolle der PR-Beratung verändern
Auch für PR-Agenturen verändert Künstliche Intelligenz die Spielregeln. Anett Wittmann, Senior Partner bei FINN Partners, zeigte auf, wie sich die professionelle PR-Beratung in einer zunehmend KI-geprägten Kommunikationslandschaft weiterentwickelt.
Wenn KI-Systeme Informationen zusammenfassen, Quellen auswählen und Antworten auf Nutzerfragen generieren, entstehen neue Anforderungen an die strategische Positionierung von Unternehmen.
Klassische Medienarbeit bleibt relevant, wird jedoch durch zusätzliche Aufgaben ergänzt. Dazu zählen insbesondere die Optimierung von Inhalten für generative Suchsysteme, die Analyse der KI-Sichtbarkeit und die Integration KI-gestützter Workflows in bestehende Kommunikationsstrategien.
Damit erweitert sich auch das Kompetenzprofil moderner PR-Beratung. Neben journalistischem Verständnis, Medienkontakten und kreativer Kommunikationsarbeit werden technologisches Know-how, Datenkompetenz und ein fundiertes Verständnis generativer KI-Systeme immer wichtiger.
Gleichzeitig bleibt eines unverändert: Erfolgreiche PR benötigt strategisches Denken, kritische Einordnung und menschliche Kreativität.
Der perfekte KI-Workflow: Wie gelingt die Integration in den PR-Alltag?
Den Abschluss des 4. PR Tech Day bildete die Paneldiskussion „Auf der Suche nach dem perfekten KI-Workflow“.
Im Mittelpunkt stand eine Herausforderung, die derzeit zahlreiche Kommunikationsabteilungen und PR-Agenturen beschäftigt: Wie lässt sich KI sinnvoll in bestehende Arbeitsprozesse integrieren, ohne Kontrolle, Qualität und Glaubwürdigkeit zu verlieren?
Die Vorträge und Diskussionen des Nachmittags zeigten, dass erfolgreiche KI-Integration weit über die Auswahl einzelner Tools hinausgeht.
Entscheidend ist ein strategischer Ansatz, der technologische Möglichkeiten mit konkreten Kommunikationszielen verbindet.
Für die Praxis lassen sich daraus fünf zentrale Handlungsfelder ableiten:
- KI-Sichtbarkeit analysieren: Prüfe mit Prompt Monitoring, wie deine Marke in generativen KI-Systemen dargestellt wird.
- GEO in die Kommunikationsstrategie integrieren: Gestalte relevante, verständliche und vertrauenswürdige Inhalte, die auch von KI-Systemen als Informationsgrundlage herangezogen werden können.
- KI-Workflows gezielt entwickeln: Identifiziere Aufgaben, bei denen KI dein Team sinnvoll unterstützt – von der Recherche bis zur Content-Erstellung.
- Qualität und Transparenz sicherstellen: Definiere klare Verantwortlichkeiten und überprüfe KI-generierte Inhalte vor der Veröffentlichung.
- Neue Technologien erproben: Beschäftige dich frühzeitig mit innovativen Anwendungen wie digitalen Zwillingen und KI-gestützter Zielgruppenanalyse.
Der wichtigste Erfolgsfaktor bleibt dabei die Verbindung von technologischer Effizienz und menschlicher Expertise.
Fazit: Der 4. PR Tech Day zeigt, wohin sich die Unternehmenskommunikation entwickelt
Mit seiner vierten Ausgabe bestätigte der PR Tech Day von »OBSERVER« und den CommClubs Bayern seine Bedeutung als Plattform für Innovation, Wissenstransfer und fachlichen Austausch in der Kommunikationsbranche.
Die Expert:innen von Microsoft, Edelman, FINN Partners, LOBECO, PER Connect und weiteren Unternehmen machten deutlich, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz bereits heute sind.
Von Generative Engine Optimization und Prompt Monitoring über digitale Zwillinge bis hin zu KI-gestützter Content-Produktion und vertrauenswürdiger Kommunikation: Die digitale Transformation eröffnet PR- und Marketingverantwortlichen zahlreiche neue Möglichkeiten.
Gleichzeitig zeigte die Veranstaltung, dass Technologie allein keine erfolgreiche Kommunikationsstrategie ersetzt. Die Zukunft der PR liegt im intelligenten Zusammenspiel von KI, Daten, strategischer Kompetenz und menschlicher Glaubwürdigkeit.
Für Unternehmen bedeutet das, neue Entwicklungen frühzeitig zu verstehen, ihre eigene KI-Sichtbarkeit systematisch zu beobachten und innovative Technologien verantwortungsvoll einzusetzen.
Denn wer künftig nicht nur in klassischen Medien und Suchmaschinen, sondern auch in den Antworten generativer KI-Systeme präsent sein möchte, muss seine Kommunikationsstrategie entsprechend weiterentwickeln.
Der 4. PR Tech Day in Nürnberg lieferte dafür wertvolle Impulse und zeigte einmal mehr: Die Zukunft der Unternehmenskommunikation hat längst begonnen.

